Volle Energie voraus

Volle Energie voraus

Future Energy Lab

Transkript

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Nike Wessel: Willkommen zur Staffel 4 von "Volle Energie voraus". Mein Name ist Nike Wessel und ich bin ab sofort eure neue Moderatorin. Als Gründerin von Studio36, dem nachhaltigen Podcast-Label und Agentur aus Berlin, bringe ich viele Erfahrungen mit Geschichten mit, die einfach gehört werden wollen. Und die Energiewende ist eine davon. Sie ist vielleicht das wichtigste Transformationsthema unserer Zeit. Bisher haben Marvin und Lina euch durch die ersten drei Staffeln von "Volle Energie voraus" geführt. Und ich freue mich sehr, dieses Thema jetzt in eure Ohren tragen zu können. Denn Digitalisierung und Energiewende, das klingt zunächst technisch, aber hinter jedem Smart Meter, jeder Cyberübung, jedem Energy Sharing-Projekt stecken Menschen, Entscheidungen und echte Konsequenzen für uns alle. In Staffel 4 sprechen wir über die Fragen, die die Energiewende gerade wirklich bewegen. Wie machen Daten und künstliche Intelligenz unsere Stromnetze intelligenter? Wie können Nachbarinnen und Nachbarn gemeinsam Strom produzieren und teilen? Was ermöglicht der Smart Meter Roll-Out und wie trainieren Unternehmen dafür einen Cyberangriff zu überleben? Immer mit Gästen, die mitten im Geschehen sind. Ich freue mich auf jedes Gespräch und auf euch. Volle Energie voraus! Dieser Podcast ist Teil des Future Energy Labs der Deutschen Energieagentur, ein Projekt im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Herzlich willkommen zur ersten Episode unserer vierten Staffel. Heute geht es um das Thema, das viele Menschen direkt betrifft. Was passiert mit dem Strom, den meine Solaranlage produziert? Kann ich ihn mit meinen Nachbar*innen teilen? Und ist es möglicherweise sogar eine Alternative zur Einspeisevergütung, die künftig wegfallen könnte? Genau darum geht es im sogenannten Energy Sharing. Das mit der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes seit Juni 2026 einen neuen rechtlichen Rahmen bekommen hat. Zwei Gästinnen helfen mir heute, das Thema zu durchleuchten. Flavia Röhrs ist Referentin für dezentrale Erzeugung beim Bundesverband Neue Energiewirtschaft, kurz BNE. Sie kennt die politischen und regulatorischen Hintergründe genau. Hallo, liebe Flavia.

Flavia Röhrs: Hallo!

Nike Wessel: Und Lisa Strippchen. Sie ist Senior-Expertin für Stromerzeugung bei der dena und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Frage, wie Bürgerinnen und Bürger am Stromsystem teilhaben können. Schön, dass du dabei bist, Lisa.

Lisa Strippchen: Hallo!

Nike Wessel: Ihr Lieben, was bedeutet denn Energy Sharing eigentlich genau? Wie unterscheidet es sich von anderen Konzepten wie Mieterstrom? Wer sind die Zielgruppen und wie hat sich das regulatorisch entwickelt? Lisa, vielleicht magst du anfangen.

Lisa Strippchen: Ja, sehr gern. Genau, also heutzutage gibt es ja total viele Sharing-Angebote, zum Beispiel auch Carsharing, Airbnb, wo man Wohnungen teilen kann. Und genau das soll Energy Sharing jetzt eben auch mit Strom ermöglichen. Das heißt, dass beispielsweise Nachbar*innen untereinander Strom teilen können oder, dass auch Kommunen mit verschiedenen Liegenschaften, beispielsweise an der Schule, Strom teilen können. Und da gibt es natürlich auch heute schon verschiedene Möglichkeiten, beispielsweise die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung oder Mieterstrom. Das findet aber innerhalb eines Gebäudes meistens statt und mit Energy Sharing wird jetzt einfach das Gebiet größer, indem man diesen Strom teilen kann. Das heißt, man geht eben einen Schritt weiter und nutzt jetzt auch das öffentliche Stromnetz, um den Strom dann gemeinsam zu nutzen.

Nike Wessel: Das öffentliche Stromnetz nutzen klingt schon mal sehr gut. Warum könnte denn Energy Sharing insbesondere im Kontext der anstehenden EEG-Novelle besonders relevant sein, Flavia?

Flavia Röhrs: Ja, dafür würde ich gerne erstmal mit ein paar Zahlen starten.

Nike Wessel: Bitte, ich bin sehr gespannt.

Flavia Röhrs: Und zwar ist es so, was bedeutet eigentlich die Einspeisevergütung? Die Einspeisevergütungen bedeutet, man bekommt 20 Jahre lang einen festen Vergütungspreis für den eingespeistem Strom. Damit kann man im Schnitt, bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus, so von 600 Euro im Jahr ausgehen. Das sind also über 20 Jahre 12.000 Euro. Dann kommt dazu noch der Strom, den man einspart. Sagen wir mal, das sind nochmal genauso viel. Dann hat man 12.000 Euro durch die Einspeisevergütung und 12.00 Euro gespart. Katharina Reiche sagt jetzt also, das ist wirtschaftlich, wir brauchen die Einspeisevergütung nicht. Es reicht, dass du Strom sparst. Und du kannst dir da jetzt zusätzlich noch ein E-Auto kaufen und du kannst ja noch eine Wärmepumpe in den Keller stellen. Und dann sparst du noch Gas und dann sparst du noch Benzin und das macht es immer attraktiver. Das heißt, es gibt schon viele gute Gründe zu sagen, ja, vielleicht kann man darüber nachdenken, ob man die Einspeisevergütung abschafft und Energy Sharing wird deswegen jetzt spannend, weil, was passiert jetzt also mit dem Strom? Ich habe eine PV-Anlage auf dem Dach oder möchte sie mir nächstes Jahr aufs Dach schrauben? Jetzt hat man vier Möglichkeiten. Man kann entweder den PV-Strom gar nicht einspeisen. Dann schalten die Wechselrichter einfach die Einspeisungen ins Netz ab. Immer, wenn man selber keinen verbraucht. Man kann ihn verschenken an den Netzbetreiber. Man kann ihn an der Börse verkaufen oder man kann ihn an den Nachbarn verkaufen. Und da ist diese Idee an den Nachbarn verkaufen für viele Leute sehr attraktiv. Und wenn wir nach, in andere europäische Länder gucken, dann sehen wir auch, dass das bereits gelebt wird und gerne angenommen.

Nike Wessel: Warum ist das besonders gut, also es direkt nebenan zu verkaufen? Was hat das für Vorteile?

Flavia Röhrs: Der Vorteil ist einerseits der emotionale, also nett mit dem Nachbarn. Man könnte sich auch vorstellen, dass man als Sportverein in einem Ort eine PV-Anlage auf dem Sportdach hat und es an die Mitglieder des Sportvereins verkauft. Verschiedene Möglichkeiten sind denkbar. Die Sache hat aber auch einen Haken.

Nike Wessel: Streit mit dem Nachbarn?

Flavia Röhrs: Streit mit dem Nachbarn könnte ein Haken sein, aber vielleicht gibt es ja einen anderen Nachbarn, der einem gefällt. Aber es gibt auf der anderen Seite noch keine genügenden Anreize, diesen Strom zu kaufen. Und da müssen wir drüber nachdenken, ob wir diese Anreize nicht stärken wollen.

Nike Wessel: Welche Möglichkeiten schafft der neue Paragraph 42c, EnWG, konkret?

Lisa Strippchen: Flavia, du hast ja schon kurz angesprochen, dass es auch ja gewisse Herausforderungen gibt. Aber vielleicht können wir da ja auch gleich nochmal drüber sprechen. Erstmal zu dem, was jetzt dieser Paragraph 42c grundsätzlich erst mal ermöglicht. Also im Stromsystem ist es normalerweise so, dass jeder der Letztverbraucher, also beispielsweise auch meinen Nachbarn, mit Strom direkt versorgt, energiewirtschaftlich als Stromlieferant gilt. Also das heißt, wie irgendwie die großen Stromversorger, also quasi ein professioneller Akteur im Energiesystem wird, sobald ich eben andere Netzverbraucher beliefere.

Nike Wessel: Egal wie groß quasi?

Lisa Strippchen: Egal, wie groß, genau, genau. Und mit dieser Rolle als Energielieferant kommen verschiedene Aufgaben und Verpflichtungen einher. Das ist dann beispielsweise, dass ich eine Vollversorgung sicherstellen muss. Das heißt, wenn meine Solaranlage keinen Strom produziert, muss ich als Lieferant, Strom an der Börse einkaufen, sodass mein belieferter Letztverbraucher einfach 24/7 mit Strom versorgt wird. Und was jetzt konkret dieser Paragraph 42c des Energiewirtschaftsgesetzes ermöglicht, ist, dass diese Pflichten, die normalerweise anfallen, wenn man als Stromlieferant gilt, vereinfacht werden bzw. teilweise auch komplett entfallen. Und ganz konkret kann es dann so aussehen, dass beispielsweise irgendwie, genau, Flavia, du hast schon angesprochen, die Vereine. Es können aber auch sein, Bürgerinnen und Bürger, also Nachbarn, die Strom teilen. Es können auch Kommunen sein, die irgendwie, weiß ich nicht, ein Rathaus und eine Schule haben und auf der Schule ist eine Solaranlage, auf dem Rathaus nicht, die diesen Strom dann gemeinsam nutzen. Es können auch kleinere und mittlere Unternehmen sein, die eben eine Anlage betreiben. Es kann auch, es muss auch nicht nur Solarstrom sein, es kann auch Windenergie beispielsweise sein. Es muss nur auf jeden Fall erneuerbar sein. Die einzigen, die ausgeschlossen sind, sind größere Unternehmen. Und für diese Akteure, die dann eben den Strom erzeugen oder beziehungsweise die Anlage betreiben, entfallen eben gewisse Lieferantenpflichten. Und das vereinfacht die Umsetzung oder das vereinfacht eben diese Möglichkeiten dann tatsächlich diesen Strom an andere zu liefern. Genau, es gibt noch eine Ausnahme im Anlagenbetrieb, und das ist das professionelle Anlagenbetreiber. Das heißt auch wieder hier die großen Unternehmen, die sowieso Windparks beispielsweise bauen, Solarparks, die dürfen ihren Strom nicht im Rahmen von Energy Sharing an andere Letztverbraucher liefern, weil die als professionelle Akteure einfach nicht dieses Privileg brauchen, dass die Lieferantenpflichten entfallen, sondern dass eigentlich dann eben auch einfach als professioneller Lieferant im Prinzip umsetzen können.

Nike Wessel: Was mir erstmal auch sinnvoll erscheint. Das heißt, wie ist es denn für Verteilnetzbetreiber? Müssen die Energy Sharing ja seit dem 1. Juni umsetzen. Wo steht denn da die Praxis und welche Hürden bestehen noch? Und gibt es bereits konkrete Projekte in der Umsetzung? Also wie genau sieht es jetzt so da draußen aus? Flavia.

Flavia Röhrs: Jetzt wird es spannend. Ich will noch mal einen kurzen Schritt zurückgehen. Wo kommt das eigentlich her? Also wir haben, man muss sagen, in Deutschland hätten wir jetzt wahrscheinlich kein Energy Sharing, wenn es die EU nicht gäbe. Also das ist alles der EU zu verdanken, die vor einigen Jahren schon gesagt hat, hey, das ist eine gute Sache, macht das mal überall. Und dann muss ich noch eine zweite Sache vorwegschicken und das ist, Energy Sharing ist kein geschützter Begriff. Das heißt, wenn man jetzt durch Deutschland fährt, wird man schon Energy Sharing-Projekte finden, an verschiedenen Orten, weil jeder kann sich irgendwas bauen und es Energy Sharing nennen. Was jetzt neu ist, ist Energy Sharing nach 42c. Wie Lisa das gerade dargestellt hat, was das alles jetzt ein bisschen einfacher machen soll. Wir stellen uns das so vor, dass man einfach bei seinem Stromanbieter einen Energy Sharing-Stromtarif anklickt. Und viele andere klicken das auch an und der Stromlieferant, der sortiert das dann so, dass das ungefähr passt mit Verbrauch und Einspeisung. Da sind wir aber noch nicht. Und du hast jetzt gefragt, wie es jetzt also gerade aktuell aussieht. Also die Verteilnetzbetreiber sind tatsächlich da noch lange nicht so weit. Also wenn man da jetzt anrufen würde und sagen würde, liebe E.DIS oder liebes Stromnetz Berlin, ich würde gerne Energy Sharing machen, dann würden die lachen. Wir haben schon, was schon bekannter ist, ist der Mieterstrom. Den gibt es in Deutschland schon seit einigen Jahren. Der funktioniert auch.

Nike Wessel: Das ist dann innerhalb eines Hauses wahrscheinlich.

Flavia Röhrs: Genau, innerhalb eines Hauses. Der Vermieter verkauft den Strom an seine Mieter in der Regel vom eigenen Dach und er muss eine Vollversorgung gewährleisten. Das heißt, er muss dann Strom einkaufen, derzeit, wo seine PV-Anlage nicht produziert. Dann haben wir uns vor zwei Jahren schon ein bisschen mehr getraut und haben die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung erfunden, die Lisa vorhin auch schon erwähnt hat. Das ist das Gleiche auch in einem Haus, aber der Vermieter muss jetzt nicht mehr den Reststrom kaufen. Das heißt, die Mieter haben schon zwei Stromverträge, einen bei Naturstrom, LichtBlick, wem auch immer, und einen bei ihrem Vermieter. Und das läuft schon schwierig mit Netzbetreibern. Das heißt, das ist zwei Jahre alt und da hat das Bündnis Bürgerenergie auch gerade mal eine Umfrage gemacht unter seinen Bürgerenergiegenossenschaften. Die Bürgerenergiegenossenschaften spielen hier eine große Rolle, weil das sind oft bei diesen Projekten die Early Adopter. Das sind die Leute, die sich eh schon sehr interessieren für diesen ganzen Energiekram, sage ich jetzt mal, ein bisschen flapsig. Und die, das sind auch die, die anrufen und sagen, wann geht denn das jetzt? Und die wurden gefragt, wie funktionieren wir, wie erfolgreich seid ihr denn mit gemeinschaftlicher Gebäudeversorgung? Also diesen relativ neuen, das sieht schlecht aus. Also bei den meisten Verteilnetzbetreibern, das ist noch kein etablierter massentauglicher Prozess. Die Verteilnetzbetreiber sagen ein bisschen, na ja, Software ist teuer. Wir kaufen erst Software ein, wenn es dafür auch einen nennenswerten Markt gibt. Aber da beißt sich natürlich die Katze in den Schwanz. Weil wenn auf der einen Seite Mieter das gründen wollen. Und sie brauchen Jahre, dann wird es auch nie diesen Massenmarkt geben. Und auf der anderen Seite, die Netzbetreiber sagen, naja, aber Software ist wahnsinnig teuer. Wir können das einfach gerade noch nicht abbilden. Gerade machen wir alles noch händisch, vielleicht in Excel. Ich will nichts unterstellen, aber vielleicht ist das gar nicht so weit weg von der Wirklichkeit. Und darum ne, also das wird noch ein paar Jahre dauern, bis das funktionieren wird bei den Netzbetreibern.

Nike Wessel: Lisa, wie kann denn die Zusammenarbeit mit den Verteilnetzbetreibern wirklich gelingen? Welche Rolle spielt die Marktkommunikation bei der Umsetzung und was bedeutet der Paragraph 20b EnWG in diesem Zusammenhang? Also, wie bewertest du das?

Lisa Strippchen: Genau, also wir haben ja vorhin schon darüber gesprochen, was die Umsetzung auch für Verteilnetzbetreiber bedeutet, dass auch für Verteilnetzbetreiber die Prozesse neu sind, dass die Prozesse teilweise aufgesetzt werden müssen, dass teilweise dafür Software programmiert werden muss. Das heißt, ich glaube, ein Stück weit ist es vielleicht auch in Ordnung, dass die Verteilnetzbetreiber da gerade einfach noch ein bisschen Zeit für brauchen. Für Akteure, die jetzt schon auf den Verteilnetzbetreiber zugehen, ist es, glaube ich, sinnvoll, die Anforderungen zu kennen. Das heißt, nicht unbedingt mit einer E-Mail sich an den Verteilnetzbetreiber zu wenden und zu sagen, hallo, ich würde das gerne machen, was muss ich jetzt tun, sondern vorher wirklich zu prüfen, welche Informationen braucht, denn der Verteilnetzbetreiber von mir. Und da gibt es beispielsweise in der Anwendungshilfe vom Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft eine Auflistung, welche Informationen der Verteilnetzbetreiber braucht, weil natürlich der Verteilnetzbetreiber auch nicht dazu da ist, Bürgerinnen und Bürger in dem zu beraten, wie sie jetzt vorgehen sollen, sondern er muss es umsetzen, aber er ist eben nicht dazu, da jetzt viel Hilfestellung zu leisten, so würde ich das mal sagen. Und meine Hoffnung wäre, eine geplante Internetplattform, die im Paragraph 20b des Energiewirtschaftsgesetzes vorgesehen ist, die nämlich eine einheitliche Kommunikationsmöglichkeit von Akteuren ohne standardisierte Marktrolle hin zu den Verteilnetzbetreibern schaffen soll. Und meine Hoffnung wäre, dass es so irgendwann so ein bisschen so ist, wie von ELSTER auf eine Steuer-App umzusteigen. Das heißt, dass man irgendwann nur noch auf einer Webseite ist, da anklickt, ich bin die, ich habe eine PV-Anlage, die und die Akteure sollen teilnehmen. Das ist das standardisierte Messkonzept, was ich auswähle und, dass darüber dann eben diese Kommunikation mit den Verteilnetzbetreibern für beide Seiten ja vereinfacht und standardisiert wird. Das Problem mit dieser Plattform ist jetzt gerade, dass es derzeit keinen Zeitplan gibt, wann diese Plattform erstellt wird und wann diese Plattform dann auch überhaupt genutzt werden kann. Das heißt, genau, solange es diese Plattform nicht gibt, wird es notwendig sein, manuelle Prozesse damit den Verteilnetzbetreibern umzusetzen.

Flavia Röhrs: Da möchte ich nur eine Kleinigkeit ergänzen, also Verteilnetzbetreiber dürfen sehr gerne schon Energy Sharing umsetzen. Also sie können auf jeden Fall, sie können vorangehen.

Lisa Strippchen: Sie müssen auch. Es ist ja eine gesetzliche Verpflichtung nach wie vor.

Flavia Röhrs: Ganz genau. Und Sie müssen auch bei dem 1. Juni da, danke, Lisa. Und wir freuen uns über jeden, der dafür offen ist.

Nike Wessel: Also das heißt, die reale Umsetzung in der Praxis scheint noch sehr schwierig sich zu gestalten. Welche Dienstleister oder Projektpartner können denn schon eingebunden werden? Also wenn man jetzt das doch gerne umsetzen würde bei sich.

Lisa Strippchen: Ich würde vielleicht gerne noch einen Satz ergänzen wollen, wo die Praxis jetzt geradesteht, weil wir erleben gerade, dass auf jeden Fall das Interesse für diese Umsetzung von Energy Sharing nach Paragraph 42c, das Interesse ist supergroß. Also wir kriegen wirklich wöchentlich Anfragen von Kommunen, von Klimaschutzmanagern, von Bürgerenergiegenossenschaften oder wirklich auch Bürgerinnen und Bürgern, die das Ganze umsetzen wollen. Aber den Status dieser ganzen Projekte würde ich tatsächlich auch eher im Ideenstadium verorten. Es gibt ein paar, es gibt ein paar Akteure und ein paar Initiativen, die auch schon ein bisschen weiter sind. Und genau, Flavia hat gerade schon beschrieben, eine zentrale Rolle spielt der Verteilnetzbetreiber, dessen Stromnetz wir nutzen und der deswegen ganz zentral eine Rolle spielt, weil wir im Prinzip unser Projekt, also sowohl die Letztverbraucher als auch die Erzeugungsanlagen, müssen wir bei dem Netzbetreib anmelden. Wir nutzen sein öffentliches Stromnetz. Das heißt, wir müssen für diese Nutzung auch Netzentgelte zahlen. Und deswegen spielt der Verteilnetzbetreiber hier eben eine zentrale Rolle, aber für viele ist das ein neuer Prozess, genau viel neuer noch als die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung. Und deswegen wird das meiner Einschätzung nach einfach noch ein bisschen dauern, bis tatsächlich die Verteilnetzbetreiber da auch dann in der Lage sind, das Ganze umzusetzen. Ja, wie kann das Ganze idealerweise aussehen? Ich glaube, was wir uns da einmal klar machen müssen, ist, dass wir mit Energy Sharing nicht professionelle Akteure in ein hochkomplexes Stromsystem bringen. Das heißt, genau, sie müssen direkt mit dem Verteilnetzbetreiber kommunizieren, sie müssen eben die unterschiedlichen Teilnehmenden anmelden, sie müssen Netzentgelte abrechnen und so weiter. Das sind normalerweise Aufgaben, die professionelle Akteure übernehmen. Und deswegen ist die ideale Umsetzung, nach meiner Vorstellung so, dass sich mit der Zeit spezialisierte Angebote entwickeln, aus denen man dann wählen kann, welche Aufgaben ein Dienstleister übernehmen soll. Also ich glaube, wenn man wirklich sich diese einzelnen Aufgaben anguckt, dann kommt man nicht so richtig drum herum, mit einem Dienstleister zusammen zu arbeiten. Und da könnte ich mir vorstellen, dass das beispielsweise von einem wettbewerblichen Messstellenbetreiber übernommen wird, der die Smart Meter einbaut, weil für Energy Sharing muss immer geschaut werden, wer Strom erzeugt, und verbraucht innerhalb von 15 Minuten. Das heißt, man kann nicht Mittagstrom erzeugen und den abends verbrauchen, sondern das muss zeitgleich dann verbraucht werden. Das heißt man braucht dafür Smart Meter. Das ist also eine Dienstleistung, die ich entweder beim wettbewerblichen oder auch beim grundzuständigen Messstellenbetreiber in Anspruch nehmen kann. Dann brauchen wir in Zeiten, wenn die Energy Sharing-Community nicht den gesamten Strom verbraucht, den sie erzeugt, muss dieser überschüssige Strom von einem Direktvermarkter abgenommen werden und weiter vermarktet werden. Das ist auch eine Dienstleistung, die man einbinden muss und wofür es vermutlich auch ein Dienstleister brauchen wird, ist die Abrechnung von den Netzentgelten. Ich habe gerade schon kurz beschrieben, dass für die Netznutzung wir Netzentgelte zahlen müssen und normalerweise für Haushaltskunden übernimmt die Abrechnung der Netzentgelte der normale Stromlieferant. Aber für diese Sharing-Mengen haben wir ja keinen Stromlieferanten, weil wir sind ja keine Stromlieferanten mehr, wenn wir in diesem Fall andere Letztverbraucher beliefern. Und deswegen ist, meiner Einschätzung nach, auch hier sinnvoll, einen Dienstleister einzubinden. Und wie gesagt, idealerweise stelle ich mir vor, dass sich da einfach spezialisierte Angebote entwickeln, wo ich dann sagen kann, ok, lieber Direktvermarkter oder Messstellenbetreiber, ich möchte bitte, dass du für mich Messstellenbetrieb, Direktvermarktung und beispielsweise die Abrechnung der Netzentgelte übernimmst. So wäre meine ideale Vorstellung. Ich glaube, so ist es am einfachsten am Ende für Bürgerinnen und Bürger und Kommunen und eben nicht professionelle Akteure, aber auch dann eben beispielsweise für die Netzbetreiber, die, genau, auch ja die Abwicklung sicherstellen müssen.

Nike Wessel: Also müssen sie strukturell noch einiges tun, dass es wirklich umgesetzt werden kann?

Lisa Strippchen: Genau, das würde ich so sagen. Also an verschiedenen Stellen muss strukturell noch was passieren, weil diese Fragen der Abwicklungen, die sind teilweise auch gerade einfach wirklich noch nicht geklärt. Also da sitzen auch viele Verteilnetzbetreiber an dieser Frage, also um vielleicht an dieser Stelle mal eine Lanze für die Verteilnetzbetreiber zu brechen, die sich da vielfach auch schon Gedanken darüber machen, wie sie denn das eigentlich umsetzen können. Aber genau, das wird einfach noch ein bisschen Zeit brauchen, bis die Prozesse da laufen, würde ich sagen.

Nike Wessel: Wenn man jetzt mal so an konkrete Maßnahmen denkt, damit Energy Sharing wirklich in der Breite ankommen kann. Flavia, was würdest du denken, was ist da noch zu tun?

Flavia Röhrs: Wir haben einen ganz großen Vorteil. Der große Vorteil ist, dass unser kleiner Nachbar im Süden Energy Sharing schon seit ein paar Jahren macht. Österreich ist wirklich ein tolles Vorbild. Das heißt, wir haben da ein Land, was im Prinzip Deutschland in dieser Hinsicht zehn Jahre voraus ist. Und da können wir von ganz viel lernen. Und wir können uns das angucken und können überlegen, wollen wir das?

Nike Wessel: Was sind die Vorteile? Also warum sollten wir es wollen?

Flavia Röhrs: Genau, warum sollten wir es wollen? Und das finde ich, das ist die Kernfrage. Wollen wir das als Land? Wir müssen uns als Land überlegen, wollen wir Energy Sharing? Weil so, wie es aktuell ist, wird es kein Massenprodukt. So, wie's jetzt ist, wird es nicht wirklich in die Breite kommen. Und zwar aus folgendem Grund. Die Letztverbraucher, also die, die den Strom kaufen, der Nachbar, dem ich meinen Strom verkaufen will. Der hat jetzt drei extra Kosten, die auf ihn zukommen, die er vorher nicht hatte. Das ist einmal das Smart Meter, das viel teurer ist als die Messstelle, die er jetzt hat. Es kostet circa 100 Euro im Jahr. Eine moderne Messeinrichtung, was zurzeit die meisten im Haus haben, kostet 25 Euro im Jahr. Dann hat er den Reststromlieferanten. Er braucht ja Strom für die Zeit, wo meine PV-Anlage nicht produziert. Aber für die Reststromlieferanten ist das ja kein attraktiver Kunde. Der kauft also Strom, wenn es billig ist, bei mir. Aber wenn es an der Börse teuer ist, wo der Stromerzeuger den Strom kauft, im Winter zu Weihnachten, wenn alle ihre Weihnachtsgans in den Ofen schieben und keine PV-Anlage produziert, da ist der Börsenpreis hoch. Da muss der Reststromlieferant einkaufen. Das heißt, der kann nicht mal günstig einkaufen und mal teuer und kann das dann so mitteln und kann dir einen schönen Preis machen, sondern er weiß, er wird immer teuren Strom kaufen. Dann ist er für dich sehr schwer prognostizierbar. Der Stromlieferant, der guckt sich diesen Kunden an und sagt, was weiß ich, der nimmt da Teil mit dem Energy Sharing, wann der dann da Strom kauft. Das heißt, er weiß noch schlechter, wie sich der Kunde verhält. Und das ist ja für einen Stromlieferanten total wichtig zu wissen, wie sich Kunden verhalten oder ungefähr verhalten werden, damit sie möglichst geschickt einkaufen können. Das heißt, die Reststromlieferanten werden sich diese Kunden angucken und sagen, kein toller Kunde, der zahlt da drauf, weil das muss ich auch einkaufen für ihn. Dann hat er den Smart Meter und dann muss er noch den Dienstleister bezahlen, der das Ganze abrechnet, weil nehmen wir das mal, nehmen wir mal an, ich verkaufe meinen Strom nicht nur an einen Nachbarn, sondern verkaufe ihn an dich und dich, dann ist ja die Frage, du lädst gerade dein E-Auto, sie macht gerade ihre Waschmaschine an, wer von euch beiden kriegt denn jetzt meinen Strom? Kriegt ihr ihn beide Hälfte-Hälfte? Vielleicht mach ich gerade, habe ich einen Radio laufen? Wie läuft denn das genau? Diese Abrechnung, das ist ja komplex. Und der Netzbetreiber, der muss das ja verstehen, wie diese Abrechnung läuft, weil der muss ja immer wissen, wie viel geht gerade zur gleichen Zeit in mein Netz, wieviel geht raus, sonst kann er die Netzspannung nicht halten. Das heißt, das sind die drei großen Extrakosten und wenn wir jetzt nicht etwas machen, dass das wirtschaftlich wird, das Produkt, dann wird das aktuell schwierig werden, dafür Käufer zu finden. Es sei denn, eine große Ausnahme, man verschenkt den Strom. Man kann sich vorstellen, dass Eltern sagen, hey die Tochter ist ausgezogen in die Stadt. Der schenke ich unseren Strom. Wir sind doch eh am Wochenende in Brandenburg am See und unsere Tochter will doch da immer, weiß nicht, Videospiele spielen, was die Töchter so machen am Wochenende. Und dann kann sie doch unseren Strom haben. Das kann man sich vorstellen, also Energy Charity dann vielleicht eher. Oder mein Kind geht in die Kita, ich schenke es der Kita. Oder die Eltern im Pflegeheim oder das Krankenhaus. Das kann man sich vorstellen, dass das funktioniert, aber sonst wird es gerade schwierig da einen Massenmarkt zu finden. Nischenprodukt für Fans? Ja. Massenmarkt ohne reduzierte Netzentgelte, ohne günstige Smart Meter? Das wird schwierig.

Nike Wessel: Welche Rahmenbedingungen verändern sich voraussichtlich auch für das Energy Sharing durch die EEG-Novelle und das ganze Netzpaket?

Flavia Röhrs: Erstmal, durch die EEG-Novelle verändert sich am Energy Sharing an diesem 42c von dem wir vorhin schon sprachen, nichts. Der wird nicht verändert, aktuell. Wir kennen zurzeit ja nur den Leak, aber derzeit ist der also fest. Aber natürlich durch die Abschaffung der Einspeisevergütung wird Eigenverbrauch attraktiver und Einspeisung unattraktiver, weil es wird komplizierter, Strom einzuspeisen, weil man diverse weitere Anforderungen erfüllen muss. Das heißt, Energy Sharing könnte so ein bisschen Booster für Eigenverbrauch sein. Das heißt, man könnte sich vorstellen, dieser Nachbar, über den wir die ganze Zeit sprechen, der hat einen beheizten Pool und ich plane eine PV-Anlage. Und es könnte schon sein, dass ich direkt die dann ein bisschen größer plane, weil ich weiß, mein Nachbar wird im Sommer seinen Pool damit beheizen. Das ist insofern geschickt, weil PV-Anlagen natürlich am meisten im Sommer produzieren, im Winter, wenn alle die Wärmepumpen anmachen, natürlich nicht ganz so viel.

Nike Wessel: Das heißt, große Eistruhen wären auch noch praktisch beim Nachbarn?

Flavia Röhrs: Genau, große Eistruhen, wenn er jetzt zum Beispiel große Eistruhen, weil er vielleicht Jäger ist. Dann ist das vielleicht, also es gibt schon denkbare Szenarien. Das wäre das Schönste, wenn der Markt einfach Produkte Stück für Stück entwickeln kann, und dann wird sich zeigen, was sinnvoll ist, was Leute kaufen, was man an den Markt kriegt.

Nike Wessel: Welche Rolle kann, denn Energy Sharing bei der Veräußerung langfristig einnehmen? Kann es eine Alternative zur Einspeisungsvergütung sein? Auch im Vergleich zu anderen Formen wie der Direktvermarktung? Was würdet ihr dazu sagen, Flavia?

Flavia Röhrs: Auf keinen Fall. Also die Einspeisevergütung war so attraktiv, dass er wirklich, also damit war Deutschland ja wirklich weltweit führend. Da haben uns ja auch viele Länder haben das nachgemacht, weil das so eine überzeugende und so eine schlaue Idee war, um die Energiewende, die private Energiewende anzureizen. Also das war wirklich ein einmalig kluges Projekt, was wir hier gemacht haben. Und das ist bekannt, das läuft, dem wird nichts nachstehen. Diese Sicherheit über 20 Jahre, womit man ja auch einfach zur Bank gehen kann und sagen kann, hey, die 12.000 Euro, die kriege ich ja, es ist ja Schwarz auf Weiß, das Gesetz. Da gibt ja jede Bank auch ein Kredit. Also das ist ja toll für eine Bank, toll für den Eigenheimbesitzer. Also es ist einfach so ein tolles Produkt. Ne, also das wird niemals konkurrieren können damit, aber es ist auch fair zu sagen, dass wir jetzt mit dem Markt an einem anderen Punkt sind, wie ich eingangs schon sagte. Und es muss halt für die Letztverbraucher, die den Strom kaufen, für die muss es noch attraktiver werden. Dann kann es eine Alternative zur Direktvermarktung sein.

Nike Wessel: Also, die die einspeisen und die Nachbarn?

Flavia Röhrs: Ich würde sagen, für mich als Einspeisende ist es das schon. Also es sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen so schon in Ordnung für den Nachbarn, weil der Nachbar, der hat ja in dem Moment, wo ein Smart Meter hat die Wahl, den Strom bei mir zu kaufen und sagen wir mal, wir machen festen Preis immer 9 Cent, dann kommen da ja die ganzen Gebühren noch obendrauf, dann landet er vielleicht irgendwo bei 25 Cent und die Netzentgelte und so. Oder einen dynamischen Stromtarif bei einem Netzbetreiber anzuklicken und da braucht er keinen Dienstleister. Und da muss er sich auch nicht Gedanken darüber machen, was ist, wenn er mit mir streiten, sich streitet oder wenn Schnee auf meiner PV-Anlage liegt oder eine kaputt ist. Das heißt, das ist schon aktuell das Einfachere für den Nachbarn. Aber das hier sei jetzt erst mal so dahingestellt, da kann man ja noch was drehen. Also Regulierung ist ja auch nicht in Stein gemeißelt, das kann man ja auch ändern.

Nike Wessel: Was drehen, möchte ja zum Beispiel das Future Energy Lab der dena und der BNE, das Thema Energy Sharing. Lisa, was würdest du sagen, wie geht es konkret voran?

Lisa Strippchen: Wir haben jetzt eben diese neuen rechtlichen Rahmen seit dem 01.06. Flavia hat ja auch schon eingangs kurz gesagt, dass auch andere Modelle sich als Energy Sharing bezeichnen. Und auch wir würden da an einigen Stellen zustimmen, dass das auch nach unserem Verständnis Energy Sharing ist. Also wir haben einfach nicht dieses Verständnis, dass nur der Paragraph 42c Energy Sharing ist, sondern unterschiedliche Modelle, bei denen man Strom teilt und auch das öffentliche Stromnetz nutzt. Wäre nach unserer Vorstellung Energy Sharing. Und diese anderen Modelle, die gingen auch schon vorher, also auch bevor dieses Energiewirtschaftsgesetz beschlossen wurde. Und die haben sich auch schon ein Stück weit entwickelt. Jetzt ist natürlich dieser neue Rahmen da. Und ich glaube, das braucht dann einfach alles gerade noch so ein bisschen Zeit. Es sind viele Fragen noch offen. Haben wir ja ausführlich drüber gesprochen. Und wir als Future Energy Lab, der dena, setzen da ganz konkret das Forum EnShare um. Das ist ein Projekt, das ist beauftragt vom Bundeswirtschaftsministerium und hat das Ziel, Energy Sharing-Communities grundsätzlich weiter voranzubringen. Und was machen wir da konkret? Wir organisieren vor allem Workshops, wo wir Akteure aus der Branche zusammenbringen und Herausforderungen identifizieren und Lösungsansätze entwickeln, die dann idealerweise die Umsetzung von Energy Sharing vereinfachen. Genau, und dann finden noch ein paar andere Aktivitäten statt drum herum. Wir sind auch immer sehr interessiert an Praxiserfahrung. Also das heißt, welche Projekte entwickeln sich eigentlich gerade und vor welchen Herausforderungen stehen die ganz konkret? Und haben verschiedene Kommunikationsaktivitäten, beispielsweise haben wir jetzt gerade auf unserer Projekt-Webseite auch FAQ zu diesen Paragraph 42c hochgeladen und versuchen da eben auch mehr ein breiteres Verständnis zu schaffen bei denjenigen, die da jetzt loslaufen und das Ganze umsetzen wollen.

Nike Wessel: Herzlichen Dank, Lisa. Flavia, wie sind denn die Aktivitäten des BNE dazu?

Flavia Röhrs: Grundsätzlich als BNE, wir sind ja der Bundesverband Neue Energiewirtschaft. Das heißt, wir setzen uns dafür ein, dass es möglichst einen funktionierenden Markt gibt nach dem Bau der Erneuerbaren. Das heißt wenn der Strom in den Markt kommt für Digitalisierung, Flexibilisierung, für Sektorkopplung, also dafür, dass der Markt Produkte anbieten kann mit Strom, die Leute kaufen wollen und grundsätzlich, wenn wir Regulierungen schlecht finden, dann machen wir Verbesserungsvorschläge und wenn wir sie gut finden, dann setzen wir uns dafür ein, dass es durchgesetzt wird, weil nur, weil etwas im Gesetz steht, heißt das ja noch lange nicht, dass das auch tatsächlich so vor Ort bei jedem umgesetzt wird. Und bei Energy Sharing, da ist eigentlich unsere Haltung, der Markt wird dort Produkte finden. Entweder werden das die Stromanbieter sein, die sich zusammentun mit mehr Stellenbetreibern und ein Produkt basteln, dass der Kunde wirklich nur wenige Klicks machen muss oder eben nicht. Und darum habe ich vorhin gesagt, wir müssen uns als Land überlegen, ob wir das wollen. Wenn wir das wollen, müssen wir noch ein bisschen was tun. Dafür machen wir gerne Verbesserungsvorschläge. Und sonst wird es eher was Nischiges bleiben und da würden wir als BNE das dann begleiten wollen, dass selbst in dieser Nische möglichst der Markt ein paar Produkte anbieten kann.

Nike Wessel: Zum Abschluss machen wir immer eine kurze "Entweder-oder"-Runde. Das heißt, jede entscheidet sich spontan für eine Option. Keine lange Erklärung, einfach nur für was seid ihr. Und ich würde jetzt einfach in den Raum rufen und ihr ruft zurück. Also Solar oder Wind?

Flavia Röhrs: Solar.

Nike Wessel: Geben oder nehmen?

Lisa Strippchen: Wer sagt denn hier, wer würde denn jetzt hier nehmen sagen?

Flavia Röhrs: Ich muss nehmen sagen, weil ich bin gerade umgezogen. Wir haben die Hilfe von so vielen Freunden angenommen. Also es war in den letzten drei Monaten nur ein Nehmen. An dieser Stelle vielen, vielen Dank an alle Umzugshelfer, die hier in Berlin, die ganzen, die ganzen Treppen laufen und auch bei uns im Speckgürtel, ja.

Nike Wessel: Manchmal muss man auch nehmen können, ob Energy Sharing oder bei Freundinnen. Was sagt ihr, Dach oder Balkon?

Lisa Strippchen: Dach.

Flavia Röhrs: Balkon.

Nike Wessel: Gemeinschaft oder Einzelperson?

Flavia Röhrs und Lisa Strippchen: Gemeinschaft.

Nike Wessel: Wunderschön. Regulierung oder Markt?

Lisa Strippchen: Regulierung.

Flavia Röhrs: Ganz klar Markt.

Nike Wessel: Hier haben wir einen schönen Unterschied. Nachbarn oder Netz?

Flavia Röhrs und Lisa Strippchen: Netz.

Nike Wessel: Einspeisungsvergütung oder Energy Sharing? Jetzt eure Entscheidung.

Lisa Strippchen: Energy Sharing.

Flavia Röhrs: Da wohl Energy Sharing.

Nike Wessel: Das ist ein ganz klares Pro Energy Sharing. Mal gucken, wie es umgesetzt wird. Ich bin sehr gespannt. Herzlichen Dank. Es war ein sehr aufschlussreiches Gespräch und zeigt, Energy Sharing ist kein Nischenthema mehr, sondern betrifft uns alle. Mit dem neuen rechtlichen Rahmen ist die Grundlage gelegt. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an, wie ich von euch lernen konnte. Was ich mitnehme, der Wunsch, Strom mit den Nachbar*innen zu teilen, ist groß bei mir und bei anderen und die Hürde in der Praxis leider auch. Aber es gibt Lösungen und die Menschen, die daran arbeiten, ihr beide zum Beispiel. Und es gibt verschiedene Ideen, wie man das eben auch gut umsetzen kann. Wenn ihr mehr über das Thema Energy Sharing erfahren wollt, schaut gern auf future-energy-lab.de vorbei. Dort findet ihr auch das Forum EnShare und das zugehörige Factsheet. Alle Links gibt es wie immer in den Show Notes. Ich freue mich, wenn ihr den Podcast abonniert, bewertet und weiterempfehlt. Bis zur nächsten Folge "Volle Energie voraus", eure Nike.